28. Juli 2008 Der Flugzeugbauer Airbus hat am Montag erstmals sein Riesenflugzeug A380 aus Deutschland ausgeliefert. Die in Dubai beheimatete Airline Emirates nahm in einer feierlichen Zeremonie im Werk in Hamburg-Finkenwerder den ersten ihrer insgesamt 58 bestellten Superjumbos entgegen. Am Rande der Veranstaltung erklärte die Fluggesellschaft, bei Airbus 60 weitere Maschinen zu kaufen. Dabei handele es sich um 30 Langstreckenflieger vom Typ A330-300 und 30 vom Typ A350-XWB zum Listenpreis von insgesamt 13 Milliarden Dollar. Die erste A380 hatte Singapore Airlines im Oktober 2007 im französischen Toulouse mit rund eineinhalb Jahren Verspätung erhalten.
Der A380, den Emirates am Montag übernahm, bietet Platz für 489 Passagiere und ist ein extrem luxuriös ausgestattetes Modell. Nach Angaben von Emirates ist sie die einzige kommerzielle Fluggesellschaft, die Duschen an Bord bietet. Außerdem ist die Maschine mit Whirlpools, Bars und Privat-Suiten ausgestattet. Der Riesenjumbo sollte am Montag nach Dubai fliegen und von dort am 1. August seinen Linienflug nach New York aufnehmen.
202 Bestellungen und Kaufabsichtserklärungen in den Büchern
Mit 58 Bestellungen liegt Emirates an der Spitze der A380-Kunden. Dann folgen die australische Airline Qantas Airways mit 20, Singapore Airlines mit 19 und Lufthansa mit 15 bestellten Maschinen. Insgesamt hat Airbus nach eigenen Angaben bisher 202 Bestellungen und Kaufabsichtserklärungen von 17 Kunden in den Büchern stehen. Der erste Doppeldecker wurde im vergangenen Oktober an Singapore Airlines ausgeliefert.
Die Arbeitsteilung beim europäischen Airbus-Konzern sieht vor, dass Kunden aus Europa und dem Nahen Osten die A380 in Hamburg abholen. Dort sollen nach bisherigem Stand 119 der bislang fest 198 bestellten A380-Maschinen ausgeliefert werden. Der Stückpreis liegt bei knapp 210 Millionen Euro. Produktionsprobleme - unter anderem bei der Verkabelung im Hamburger Werk - hatten dazu geführt, dass Airbus hinter dem ursprünglichen Zeitplan für die A380-Auslieferungen um Monate zurückliegt.
Airbus-Chef Thomas Enders gab sich dennoch optimistisch: Der A380 ist eine Erfolgsstory, sagte er am Rande der Flugzeugübergabe. Vor Journalisten räumte er jedoch ein, dass sich der Auslieferungsrhythmus erneut verlangsamt. 2008 sollen insgesamt 12 Maschinen an die Kunden übergeben werden und im nächsten Jahr 21 Stück - bisher waren 13 Stück in 2008 und 26 in 2009 geplant.
Bereits im April 1995 hatte Airbus sein Großflugzeug angekündigt
Mit der Auslieferung der A380 endet nach 13 Jahren ein langer Weg für die 12.000 Airbus-Mitarbeiter im Hamburger Werk, der mit etlichen Schwierigkeiten gepflastert war. Im April 1995 hatte Airbus unter dem Arbeitsnamen A3XX ein eigenes Großraumflugzeug angekündigt. Emirates und Air France wagten sich im Juli 2000 als erste aus der Deckung und orderten erste Exemplare.
Damit setzten die europäischen Flugzeugbauer ihren amerikanischen Konkurrenten Boeing massiv unter Druck. Am 27. April 2005 folgte der Jungfernflug - aber schon im Juni darauf musste das Management Pannen in der Produktion einräumen. Vor allem die Kabelmontage erwies sich als problemanfällig und verhindert bislang eine schnelle Serienproduktion. Ausgestanden sind diese Fertigungsprobleme laut Airbus-Chef Thomas Enders erst, wenn eine stabile Serienproduktion erreicht wird. Unsere Herausforderung ist jetzt das weitere Hochfahren der Produktion, sagte Enders.
Goldumrandete Fernsehschirme und zwei VIP-Duschen
Wegen der Lieferverzögerungen rechnet Airbus bis 2010 mit einer Belastung des Vorsteuergewinns um fast fünf Milliarden Euro. Deshalb wurde im Oktober 2006 das Sanierungsprogramm Power8 verkündet, eine Steigerung der Produktivität um 15 Prozent in vier Jahren ist das Ziel. Angekündigte Werksschließungen bei Zulieferern und der geplante Abbau tausender Arbeitsplätze sorgten für Unmut. Wegen des derzeit starken Euro hat Airbus das Programm mittlerweile nochmals verschärft. So erhält der Flugzeugbauer nicht wie noch vor kurzem 250 Millionen Euro für einen A380 (Listenpreis), sondern infolge des Dollarverfalls nur noch 208 Millionen Euro.
Der erste Hamburger Airbus A380 soll nach Angaben von Emirates vor allem auf der Ultralangstrecke eingesetzt werden. Deshalb hat der Riesenflieger auch nur 489 Plätze - möglich sind bis zu 853 Sitze. Das Oberdeck hat zwei Duschen für die VIPs und goldumrandete Fernsehschirme nebst einer exklusiven Bar. Für die Fluggesellschaft aus den Vereinigten Arabischen Emiraten ist der A380 ein Schlüssel, um im lukrativen Flugverkehr nach Nordamerika weiter expandieren zu können. Der erste Linienflug soll am 1. August von Dubai nach New York starten.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP, ddp, dpa, REUTERS